Ich habe die
Sony NEX-5 als "immer dabei Kamera" für unsere
Island Reise 2011
gekauft. Die Hauptausrüstung bestand aus 4 Nikon Gehäusen, jede
Menge Optiken und Zubehör. Bei Wandertouren hatte ich oder meine
Frau die NEX-5 auch gelegentlich verwendet, wenn das Wetter so
schlecht war, das gute Fotos nicht zu erwarten waren. Unser
primäres Ziel war ja unseren Island Wanderführer komplett zu
überarbeiten, dadurch hatten die Wanderungen Vorrang und manche
Touren mussten wir eben dadurch bei schlechtem Fotowetter
machen.
Das ich nicht meine Nikon P7000 verwendet habe, lag alleine
daran, das seit einigen Monaten meine Bildagentur keine Bilder
mit 10 MP von einer Kamera mit kleinem Sensor akzeptiert.

Straße in die Thakgil Schlucht, Island
Sony Nex-5 mit 16 mm Pancake, 1/80 sec, f4,5 iso 200
An und für
sich war ich vom Zugang Sonys ein extrem kleinen Gehäuses mit
einem großen DX Sensor auszustatten, sehr angetan, da dadurch
auch bei höheren Iso Werten eine gute Bildqualität zu erwarten
war. Das hat auch soweit gut gepasst. Das Bedienkonzept ist ein
wenig gewöhnungsbedürftig, aber war für mich OK. Was mich
gestört hat war das Fehlen von custom functions Einstellungen,
um die Kamera schnell für verschiedene Anwendungen umzuschalten.
Außerdem sind die Bedienelemente rechts unten sehr leichtgängig
und da die Kamera so klein ist, kommt es häufig vor, das man
unabsichtlich Einstellungen verändert, wenn man die Kamera in
die Hand nimmt.
Gut gefallen hat mir die Möglichkeit, mit einem Adapter auch
Nikon Objektive an der Sony verwenden zu können. Der Adapter
lässt sogar die Verwendung von "G" Objektiven durch einen
Blenden-Einstellring am Adapter zu. Der bei "Enjoy your camera"
gekauft Adapter hatte auch einen Stativanschluss, wodurch die
Kamera auf einem Stativ besser ausbalanciert ist. Leider war
dieser Stativfuß nur mit zwei Schrauben am Adapter befestigt,
die sich immer wieder lockerten, erst mit UHU zwei Komponenten
Kleber konnte ich dieses Problem lösen. Genial ist bei der Sony
Nex-5 die "scharfe Kanten" Anzeige, die sehr beim manuellen
Fokussieren hilft. Objektive wie das Nikon 50 mm f1,8 (alte
Version mit Blendering) lassen sich so schnell und präzise
einstellen. Versuche mit alten Nikon Ai-s Zoomobjektiven zeigten
das 50-135 f3,5 (700g) als sehr gutes Objektiv schon ab f4,5,
das leichtere und billigere 75-150 f3,5 war allerdings nicht so
gut und nur ab Blende 8 ausreichend scharf. Die Versuche
mit Fremdobjektiven ergeben sich aus dem Mangel an brauchbaren
Sony Objektiven für die Nex Serie. Jetzt im Herbst 2011 kommen
ja einige gute Objektive auf den Markt, wie das Zeiss 24 mm
f1,7. Im Telebereich fehlt es aber weiterhin, denn die Zooms
weisen eine schlechte Lichtstärke auf. Ich habe nur das 16 mm
f2,8 pancake verwendet und wie auch bei Tests z.B.
SLR Gear.com nachzulesen ist, ist dieses Objektiv leider
nicht besonders gut und erreicht eine gute Qualität nur nach
Abblenden auf f8. Wenn es nicht um Kompaktheit, sondern um
einen großen Brennweitenbereich geht, ist das
Sony E 18-200mm f/3.5-6.3 OSS
Objektiv
wohl die bessere Alternative. So kommt man auf 28 - 300 mm mit
einem Gesamtgewicht von 810 g (Gehäuse ca. 280 g mit Blitz und
das Objektiv ca. 530 g). Das ist schon recht leicht, natürlich
mit Einschränkungen bei der Lichtstärke, vor allem im
Telebereich.
Die Bildqualität der Sony Raw files (entwickelt in Adobe Raw)
war durchaus gut, bei der Schattenzeichnung und dem
Rauschverhalten wirkt sich der DX Sensor positiv aus. Die
originale Sony Software fand ich nicht gut. Umständlich zu
bedienen, wenig Einstellmöglichkeiten. Bei mehreren 100 Bilder
in einem Ordner versagte der Browser seinen Dienst.

Oexarafoss im Thingvellir NP, Island
Sony Nex-5 mit 16 mm Pancake, 1/160 sec, f 6,3, Iso 200
Die angekündigte Nex-7 hat auch mein Interesse geweckt, 24 MP in
einem von der Bedienung her verbesserten Gehäuse plus XGA OLED
Tru-Finder klingt schon toll. Die Testbilder der Sony a77
(gleicher Sensor) auf DP Review haben mich allerdings schnell
ernüchtert. Rauschfreie Bilder gibt es wenn, dann nur bei 50 Iso.
Ist aber auch nicht wirklich überraschend, ein Vollformat Sensor
mit gleicher Pixeldichte hätte ca. 55 MP!
Der Grund für solche Versuchen mit leichten Kamerasystemen ist
natürlich mit meinem inneren Schweinhund zu begründen. Für
Bergtouren, Klettersteige, Schitouren, Radtouren oder eben bei
allen Unternehmungen wo fotografieren nicht im Vordergrund
steht, möchte ich möglichst wenig mitschleppen. Wenn dann doch
eine tolle Lichtstimmung passiert oder das Gämsenrudel malerisch
sich auf dem Felsen in Pose wirft, dann sollte ein gutes Foto
trotzdem möglich sein.
Versuche mit Nikon DX Gehäusen wie der D7000 sind da nicht so
optimal verlaufen. Außer dem 35 mm f1,8 DX Objektiv sind viele
Objektive auch nicht wirklich leicht, mit Ausnahmen des durchaus
guten Kitobjektivs 18-55mm f/3.5-5.6G AF-S VR DX mit 265 g, dem
AF-S DX NIKKOR 18-135 mm 1:3,5-5,6G ED mit 385 g oder dem
AF-S DX NIKKOR 18-200 mm 1:3,5-5,6G ED VR Ⅱmit 565 g. Das
leichteste Gehäuse bei Nikon ist die D3100 mit 500g, gefolgt von
der D5100 mit 560g. Wobei die D5100 den besseren Sensor hat (von
der D7000) und ein schwenkbares Display.
Ein weiterer Vorteil der Spiegellosen Kameras ist der fehlende
Spiegelschlag und dadurch geringer Vibrationen beim Auslösen.
Dadurch lässt sich auch mit leichten Stativen ein scharfes Bild
erzielen. Mir ist schon klar, das dies auch mit
Spiegelreflexkameras geht, sofern man die Spiegelvorauslösung
und einen Fernauslöser benützt.
Die Frage stellt sich jetzt natürlich: Ist es sinnvoll wegen 250
g Unterschied (Sony/ Nikon jeweils mit 18-200 Objektiv) ein
Gehäuse zu verwenden, das keinen Sucher hat, bei der Bedienung
deutlich schlechter ist und für mich als Nikon Fotografen ein
anderes System mit einem anderen Workflow bei der Entwicklung
der Raw Bilder bringt. Die Antwort ist Nein. Sinn macht meiner
Meinung nach die Sony Nex-5 nur mit dem Pancake Objektiv, dann
kann man die Kamera mit einer kleinen Tasche am Gürtel tragen.
Wenn man aber auf ultra Kompaktheit in Verbindung mit einem
möglichst breiten Zoombereich Wert legt, dann wäre das micro
four thirds System noch besser geeignet. Die Panasonic G3 plus
das 9-18 mm Olympus Zoom und den neuen "X" Zooms von Panasonic,
dem 14-42 mm und dem 45-175 mm. Gesamtgewicht 840 g bei
einem Brennweitenbereich von 18 - 350 mm und das mit sehr guten
Objektiven.
In der Kleinheit liegt aber auch bei all diesen Systemen ein
Nachteil, vor allem für Männer mit großen Händen, den die
Bedienung der winzigen Kameras mit ihren kleinen Knöpfen wird da
schon etwas schwierig und fummelig. Im Winter mit Handschuhen
wird es dann ziemlich unmöglich, einen der kleinen Knöpfe exakt
zu treffen.
Noch ein Tipp: Wem es auch wie mir auf die Nerven geht, eine
Kamera mit Live View dauernd vor sich zu halten, wie wenn man
eine volle Windel in der Hand hätte (mit gestreckten Armen weit
vom Körper weg), der sollte sich eine Bildschirmlupe zulegen,
wie die Hoodman Hood Loupe. Bei allen Aufnahmen vom Stativ kann
sie gute Dienste leisten, besonders bei Makroaufnahmen und immer
dann wenn starke Sonneneinstrahlung ein Betrachten des
Bildschirms schwierig macht.