Mamiya ZD - Einige Eindrücke

Durch die freundliche Unterstützung durch die Firma Loho in Wien konnte ich diese Kamera für einige Tage bei mir zu Hause testen.

Jeder Fotograf, der professionell arbeitet, muss sich natürlich immer auch Gedanken über die Qualität seiner Fotos machen. In der analogen Zeit war es eher so, das grundsätzlich so gut wie möglich fotografiert wurde, also oft mit 4x5" obwohl der Auftrag das nicht unbedingt verlangt hat. In der schnellen digitalen Welt, geht es eben oft mehr um Tempo, denn um Qualität, was dazu geführt hat, das viele Fotografen Ihre sperrigen Groß- und Mittelformatkameras in den Schrank gestellt haben und nun mit KB Digitalkameras arbeiten. Doch je nach Arbeitsgebiet sind die Anforderungen sehr verschieden. Während ein Pressefotograf leicht mit 4-8 MP auskommen kann, schaut das beim Porträt- oder Architekturfotografen schon ein wenig anders aus. Auch bei Bildagenturen wird die MP Grenze immer weiter nach oben gerückt, wohl um sich von den micropayment Agenturen ein wenig abzusetzen, aber auch um mehr Reserve für Ausschnitte zu haben, was den Grafiker freut. Die Grenzen werden hier je nach Agentur verschieden gezogen und reichen von 6 über 10 bis hin zu 16 MP. Da ich auch Agenturen beliefere, wollte ich einmal sehen, was so ein MF System in Sachen Qualität aber auch Handling bringen kann

Die Mamiya ZD hat einen 21,3 MP Chip, der nur einen Verlängerungsfaktor von 1,16 bei den Objektiven verursacht, was vor allem für den Weitwinkelbereich wichtig ist. Die Kamera liegt gut in der Hand, ist nicht zu schwer, der Sucher ist herrlich groß und übersichtlich, die Tasten sind logisch angeordnet, die Menüs sehr umfangreich, sodass die Kamera sehr gut den eigenen Bedürfnissen angepasst werden kann. Trotzdem ist die Kamera für Freihandaufnahmen nur bedingt geeignet. Das liegt einerseits am doch merkbaren Spiegelschlag und die hohe Auflösung lässt sich nur dann ausnützen, wenn man so sorgfältig wie möglich arbeitet. Das heißt Stativ und Spiegelvorauslösung und eine Blende um 8-11 und 50-100 Iso. Darüber zeigte die Kamera zu starkes Rauschen, was bei 400 Iso (der Maximalempfindlichkeit !) bei meiner Testkamera zu inakzeptablen Ergebnissen führte. In Tests wird immer wieder behauptet, das große Chips (48x36 mm) automatisch zu einem verbesserten Rauschverhalten führen. Doch ist einerseits die Chipart sehr entscheidend (CMOS oder CCD) und dann auch die Signalverarbeitung. Generell sind digitale Mittelformatsysteme jedoch deutlich schlechter in höheren Iso Bereichen als KB SLR Kameras. Für Hochzeitsfotografie im Reportagestil oder überall wo mit natürlichem Licht gearbeitet wird, sind diese Systeme nicht gerade 1.Wahl. Auch für Action und Tierfotos ist die Mamiya ZD aber auch andere Systeme wie Hasselblad H1/H2 nicht gut geeignet. Bildfolgezeiten um 1,2 Bild/sec für 10 in Serie plus ein langsamer Autofokus machen diese Kameras für solche Zwecke mühsam. Was bleibt ist die Studiofotografie, Architektur , Landschaft, also im Prinzip je statischer das Objekt, desto besser. Hier kann die Kamera auch Ihre Stärken ausspielen und zeigen, das mehr reale Auflösung möglich ist. Bei meinen ersten Vergleichsbilder mit der Canon 5D war ich einmal perplex, so groß war der Unterschied in Sachen Schärfeeindruck. Ich dachte schon an ein schlecht justiertes Objektiv bei meiner Canon Ausrüstung, da ich mit der 1DMII so etwas schon erlebt hatte. Bei weiteren Vergleichen zeigte sich jedoch, das wohl eher der Fehler bei mir lag. Trotzdem zeigten auch alle anderen Tests eine merkbare Überlegenheit der Mamiya Bilder in Sachen Auflösung.  Der Test mit Probedrucken relativierte dies insofern, als konstant die Raw Bilder von meiner Canon 5D durch DXO bearbeitet eine bessere Gesamtwirkung hatten, als die der Mamiya im PS CS2 Raw Konverter. Schärfe ist eben nicht alles, auch Kontrast und Farbe spielen eine Rolle und da wirken die 5D Bilder einfach frischer und "knackiger". Leider gibt es keine Module von DXO für die Mamiya ZD. Diese Probedrucke wurden mit Ausschnitten auf A3+ Papier auf einem HP Designjet 30 angefertigt, wobei beide Bilder auf 50x70cm (75cm bei 5D) mit bicubic smoother in PS CS2 hochgerechnet und für den Druck geschärft wurden. Bei kleineren Formaten wäre der Schärfevorteil der Mamiya ZD im Druck praktisch nicht zu erkennen gewesen. Das die Bilder am Bildschirm bei 100 % einen sehr großen Unterschied zeigen, liegt auch daran, das bei der Mamiya ZD kein anti aliasing Filter serienmäßig dabei ist, sondern nur ein IR Sperrfilter. Die Filter können ausgetauscht werden, der anti aliasing Filter kostet aber stolze 2000.- € ! Schärft man die Bilder der 5 D nach, fällt der Unterschied nicht mehr so gravierend aus, ist aber noch immer deutlich.

Kitsch und Kunst

Im Studiobetrieb ist es auch möglich die Kamera über Firewire zu betreiben, das soll gut funktionieren. Die Raw Software bringt gute Ergebnisse, ist aber deutlich langsamer als Camera Raw. Ein weiterer Raw converter ist Silky Pix. 

Das fotografieren mit der Mamiya ZD gestaltet sich an und für sich recht angenehm, der große Sucher und übersichtliche Bedienelemente sind mir positiv aufgefallen. Die Kamera liegt gut in der Hand und ich habe mich ohne viel Einarbeitungszeit schnell zurechtgefunden. Ein Manko der ZD ist die langsame playback Funktion, zwar kann nach der Aufnahme ein Bild mit Histogramm angezeigt werden (muss im Menü angewählt werden), wenn man jedoch das Bild noch einmal genauer betrachten oder löschen will, dauert es ca. 8 sec bis das Bild erscheint und auch beim weiterscrollen je Bild ca 8 sec Wartezeit - das nervt und ist für eine Digitalkamera im Jahre 2006 einfach zu lange!  Auch der winzige, schlechte Bildschirm erinnert mich eher an die Digitalkamera Steinzeit als an aktuelle Technik.

Die Spiegelvorauslösung über eine separate Taste ist eine gute Idee. Stabiles Stativ, guter Kopf und Spiegelvorauslösung sind auch absolut notwendig, wenn man ein wirklich scharfes Bild bekommen möchte.
Die Wechseloptiken von Mamiya haben einen sehr guten Ruf, ich hatte die Kamera nur mit der 80/2,8 Optik, diese Optik ist auf jeden Fall hervorragend! Die Batteriekapazität scheint gut zu sein, so ca 400 Aufnahmen pro Akku ist Ok. Die Kamera ist überraschend leicht (1400g mit Batterie) und die Fixoptiken sind auch recht kompakt, also ein durchaus "tragbares" System, auf jeden Fall etwas leichter als eine Canon 1DS.

Bei der Farbe gab es auch nichts auszusetzen, Belichtungsmessung ist sehr genau und der Dynamikumfang der Raw Daten ist auch sehr gut.

Für mich bleibt das Dilemma, das ich gerne noch eine höhere Auflösung haben möchte, ohne aber bei der Vielseitigkeit zu viele Abstriche machen zu müssen. Und da ist eine Kamera wie die Canon 5D derzeit um einiges besser.  Was man bei dieser ganzen Pixel Diskussion nicht vergessen sollte, ist, das die Bilder der 5D sicher auf dem Qualitätsniveau von einem 4,5x6 Dia sind, also schon merklich besser als Kleinbild. Andrerseits ist man immer in Konkurrenz mit den anderen Fotografen und wenn fast alle Profis im Bildagenturengeschäft eher Canon 1DsMII und Nikon D2x als Minimum verwenden, kommt man natürlich mit "Amateurmodellen" schneller in die Auslesefalle, sprich man kann sich selbst ausrechnen welche Bilder länger Bestand haben, die von einer Nikon D70 oder die von einer 1DsMarkII.

Wenn ich jetzt meine letzte Reise nach Irland fotografisch analysiere, so wären manche Fotos mit einem digitalen Mittelformatsystem so nicht möglich gewesen. Zb. Tieraufnahmen mit 400 mm Brennweite oder Aufnahmen im Pub mit 1600 ISO, dafür bleibt eine digitale SLR einfach erste Wahl. Bei Landschaftsaufnahmen, die ich wegen des starken Windes manchmal auch freihändig mit höherer Iso Zahl (200-320) und kurzen Verschlusszeiten gemacht habe, musste ich erkennen, das selbst die Fotos mit 1/500 sec nicht wirklich scharf sind, bei einer 5D kann man auch solche Zeiten verwackeln, oder besser gesagt ein Stativ in Bodennähe, wäre auch bei solchen Verhältnissen die bessere Wahl gewesen. Das ist ja auch die grundsätzliche Gefahr, das man mit den digitalen SLR Kameras viel leichter "schlampig" arbeitet. Und da ist ein Mittelformat System insofern schon viel besser, da es hier viel klarer ist, das man nur bei sorgfältigster Arbeitsweise wirklich top Ergebnisse erzielen kann. Aber wenn man das tut, dann stechen die Bilder der Mamiya ZD alles aus, was derzeit am Markt ist, mit Ausnahme der 39 MP Digitalrückteile und 4x5" Kameras. 

Fazit: Eine interessante Kamera mit wirklich guter Bildqualität, aber leider auch einigen Problemen, die das Arbeiten unnötig verzögern und mühsam machen. Eine Mamiya ZD s mit größerem Bildschirm, guter playback Funktion und brauchbarer Iso performance wäre eine tolle universelle Kamera, die ZD nach heutigem Stand ist gut, aber noch nicht ausgereift. Trotzdem eine solche Auflösung gibt es anderswo (Digitalrückteile) nur um weit mehr Geld, sodass Mamiya hoffentlich an diesem an sich guten Konzept weiter feilen wird. Der Haupthindernisgrund wird wohl der Preis sein, mit ca. 12000.-€ inkl. Mwst. nur für das Gehäuse nicht gerade ein Schnäppchen, obwohl gegen die ca. 30 000.- für die Hasselblad H2 samt 39 MP Rückteil schon fast wieder billig.

Mir scheint auch, das meine Tests vielfältige Aussagen von Profifotografen bestätigen, das derzeit die Kleinbilddigitalkameras fast an ihrem Auflösungsmaximum angekommen sind. Natürlich kann man immer mehr Pixel in die Sensoren packen, was hilft es wenn die Objektive da nicht mehr mitmachen. So gibt es endlose Diskussionen ob zwischen Canon 5D und 1DsMII, also zwischen 12 und 16 MP Kameras in den Bildern ein Auflösungsunterschied noch vorhanden ist, wenn dann ist er fast nicht mehr wahrnehmbar. So gilt ja auch die Nikon D2X der 1DsMII in Sachen Auflösung ziemlich ebenbürtig. Natürlich werden die Firmen weiter mehr Pixel in Ihre Kamera packen, da es werbewirksam ist und sich viel leichter propagieren lässt als ein erweiterter Dynamikumfang um nur ein Beispiel zu nennen. Wenn man also in der Qualität der Bilder einen wirklich merkbaren Sprung machen will, dann führt derzeit leider kein Weg an dem Mittelformat vorbei. Ob man diese Qualität auch braucht, ob sie nötig ist, ist eine andere Frage, die jeder für sich entscheiden muss. Ich werde mich heuer sehr genau auf der Photokina umschauen.

Alles Gute und vergesst vor lauter "Pixelpeeping" nicht auf ´s Fotografieren !

Christian

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