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Erfahrungsbericht Nikon D3, Nikon D300 und Vergleich zu Canon 5D
Es hat einiges an Diskussionen gegeben bezüglich meinem Vergleich des Dynamikumfangs. Interessanterweise haben sich nur Canon Fotografen darüber erregt, das ihre geliebte Kamera vielleicht nicht ganz mit der neuen Nikon D3 mithalten kann. Die Kameras sind vom Konzept her verschieden und es liegen doch 2-3 Jahre technologischer Fortschritt dazwischen, in der Computerwelt eine ziemlich große Zeitspanne. Also wenn die D3 nicht besser wäre, auch bei DR und hohen ISO wäre es schon enttäuschend.
Am 9.11.2007 hat die Nikon Solutions Expo in Wien Station gemacht. Dort hatte ich kurz die Möglichkeit die neue Nikon D3 und auch die D300 auszuprobieren. Es war natürlich eine ziemliche Rangelei um die D3. Die Kameras hatten Seriennummern unter 100, waren aber voll funktionsfähige Serienmodelle, und es gab keinerlei Einschränkungen beim Fotografieren, auch Bilder auf die eigene Speicherkarte zu schreiben war in JPG und NEF möglich und erlaubt. Vielen Dank an Nikon für die gelungene Veranstaltung samt hübschen Modells und das gute Buffet war auch sehr nett ! Ich gehe aber nicht nur zum Essen und Fotografieren auf solche Veranstaltungen, sondern weil es immer wieder spannend ist mit Kollegen aus verschiedenen Bereichen Erfahrungen auszutauschen, auch diesbezüglich war es ein sehr informativer Abend. Ich bin eigentlich sehr lange Nikon Fotograf gewesen, von F801 über FM und D-100 um nur einige zu nennen. Mit der D-100 hatte ich aber dann zunehmend das Problem, dass ich bei Presse, Sport und bei Hochzeiten nicht mehr das Auslangen finden konnte. Die D2H war nicht meine Wunschkamera, das Blitzsystem wurde zu meinem Ärger gerade zum dritten Mal geändert (SB-28, SB 80, SB 80DX) und mein Objektivarsenal war auch nicht das Beste. So verkaufte ich alles auf Ebay und investierte in eine Canon 1D-Mark II. Den Schritt habe ich nicht bereut, ca. 50 000 Aufnahmen machte ich mit dieser Kamera, die ich nur deswegen vor kurzem verkauft habe, weil ich nun ruhigere Jobs bevorzuge, wo eine Canon 5D und eine 40 D mehr als ausreichen und von der Bedienung her einfacher sind. Denn die Menüführung der 1D-Mark II fand ich nicht gut gelöst und in Kombination mit der 5D sind die verschiedenen Menüsysteme lästig gewesen. Jetzt aber zu meinen Eindrücken. Ich bekam die Kamera überraschend schnell in die Hand und konnte auch zwei Modells mit der von der Firma Loho zur Verfügung gestellten Hensel-Blitzanlage fotografieren. Vor Ort haben wir zwei Bilder über Nikon View NX ohne Bearbeitung an den HP Drucker geschickt und das Ergebnis war schon recht ordentlich. Das Handling der Kamera ist wie gewohnt gut und logisch, obwohl ich jetzt schon länger nicht mit einer Nikon Kamera gearbeitet habe, fand ich mich schnell wieder zurecht. Der Sucher ist sehr gut, ein Pluspunkt bei den meisten Nikon Kameras, und hier nochmals verbessert gegenüber der D2X. Ein für den Porträtfotografen wichtiges Feature ist die Möglichkeit, die Kamera auf 5:4 Crop einzustellen, was im Sucher r/l durch graue Balken sehr gut dargestellt wird. Jetzt kann man sich natürlich fragen, wozu gleich Bildinformation wegschmeißen, Ausschnitte kann man doch auch nachher machen. Nur ist es dann oft so, dass bei den Porträtformaten dann oft beim Beschneiden Probleme auftreten, da es sich in der Breite dann nicht ausgeht. So ist es mir beim Shooting für den Nö. Steinmetzkalender gegangen, wo 15 Berufsfotografen in einem Wettbewerb Aktbilder mit 4 Modells in Schloss Hof gemacht haben. Bei dem Bild, das für den Kalender ausgewählt wurde, musste ich r/l die Stiegen im Photoshop verlängern, damit es für den Druck geeignet war. Bei diesem Motiv war das einfach, bei anderen ist es oft nicht möglich. Daher muss man entweder auf Gefühl mehr Luft lassen oder eben gleich mit dem geforderten Format fotografieren. Letzteres erscheint mir sinnvoller.
Canon 5D, 70-200/4 L bei 120 mm, Blende 8, 1/400 sec, 200 Iso Die Belichtungsanzeige ist bei der D3 rechts im Sucher, alle weiteren Infos unten, während bei der D300 alle Infos unten zu finden sind. Der Sucher der D300 ist natürlich nicht ganz so gut wie der der D3. Details dazu findet man auf dpreview.com Der Bildschirm an der D3/D300 ist wirklich hervorragend, da gibt es derzeit
nichts Vergleichbares, ob das so wichtig ist, muss jeder für sich selbst
entscheiden, aber es ist natürlich kein Nachteil, wenn man die Bildqualität
erstmalig auch auf dem Bildschirm gut beurteilen kann. Vorteile bringt ein so
hoch auflösender Bildschirm auch beim Live View, der allerdings bei Bewegung
nicht ruckfrei ist. Trotzdem sehr nützlich und mit dem einblendbarem Horizont
gibt es ein nützliches Feature dazu, das auch im Sucher über die Fn
Taste abrufbar ist, was dann rechts im Sucher statt der Belichtungsanzeige
dargestellt wird. Ein Beispiel wie Nikon auch bei Details durchaus gute
Lösungen anbietet. GPS Support ist auch dabei, so zum Beispiel mit diesem
Gerät: http://www.dawntech.hk/di-GPS/index.htm Zur Bildqualität: Bezüglich Auflösung ist mir kein Unterschied zu meiner 5D aufgefallen,
endgültig kann man so etwas aber nur durch kontrollierte Stativaufnahmen
klären. Die propagierten hohen ISO-Bereiche sind tatsächlich sehr gut,
allerdings für einen Canon Fotografen weniger eine Sensation, maximal 1 Blende
Vorteil gegenüber der Canon 5 D würde ich nach ersten Vergleichen sagen. Das
heißt aber für einen Nikon Fotografen eine Verbesserung von 3-4 Blenden
gegenüber der D2X, das sind schon sehr beeindruckende Unterschiede. Nachtrag: Einige Tests weisen darauf hin, das Nikon bei dem Schwarzwert anders verfährt als Canon, also die untersten Bereiche quasi abschneidet oder aber durch die Raw Software und/oder einer Kamerainternen Rauschunterdrückung diese guten Schwarzdarstellung erreicht. Es könnte also leicht sein das der tatsächliche Dynamikumfang ähnlich der Canon 5D ist und der bessere Eindruck durch Unterdrückung des Schattenrauschens entsteht, etwas was man mit Software wie Noise Ninja auch bei der Canon 5D erzielen kann. Die neuen Objektive, das 14-24 und das 24-70, hinterlassen einen sehr guten Eindruck, solide gebaut, recht schlank, was meinen eher kleinen Händen zu Gute kommt. Auch hier ein tolles Detail, nämlich dass die Sonnenblende auf dem 24-70 gut arretiert ist, was mir bei meinem 24-70 Canon Objektiv abgeht und schon viele Bilder mit Randabschattungen versehen hat, weil sich die Sonnenblende immer wieder verschiebt (werde jetzt wohl zum Bohrer greifen und eine Schraube montieren) Bildqualität ist bei einem Modelshooting nicht wirklich gut zu beurteilen, da beim Weitwinkel ja vor allem die Randbereich Probleme machen, einige Testbilder bei 14 mm lassen aber auf eine sehr gute Qualität hoffen. Das höhere Gewicht der D3 und die gute Ergonomie haben auch einen positiven
Effekt bei Freihandaufnahmen, ich hatte merklich weniger verwackelte Bilder bei
ähnlichen Verschlusszeiten als mit meiner 5D, was aber nicht wirklich
überraschend ist, schwerere Kameras liegen einfach besser in der Hand. Ein weiteres gutes Detail ist der doppelte CF Schacht, der verschiedene Funktionen übernehmen kann. Als 1:1 Backup, aber man kann auch auf CF1 Raw, auf CF2 Jpg schreiben oder wenn Karte in CF1 voll ist automatisch auf CF2 wechseln. Gut und intelligent gelöst und praktischer als die CF/SD Schächte bei der Canon 1 er Serie. Der Autofokus scheint gut zu funktionieren, wobei bei schlechten Lichtverhältnissen schon auch mal ein zweiter Punkt mit mehr Kontrast anvisiert werden musste. Aber es war einfach zu wenig Zeit um den AF wirklich zu testen und seine Stärken spielt er sicher mehr bei Action Aufnahmen aus, als im schlecht beleuchteten Studio. Was ich vermisse, vor allem im Vergleich zu der Canon 40D, sind Custom functions sets, die man mit einem schnellen Dreh am Einstellrad blitzschnell aktivieren kann. Da war die Zeit zu kurz um nachzufragen. Menüeinstellungen mit Presets wird es sicher dafür geben, aber das ist halt dann weit langsamer zum Umstellen und kann, wenn man schnell von Stativ auf Action wechseln möchte, ein Nachteil sein. Ich kann Nikon zu dieser Kamera nur gratulieren und bin sehr froh, dass Nikon
nicht nur gegen Canon aufgeholt hat, sondern in vielen Bereichen sogar auf der
Überholspur ist, was für den Profimarkt nur gut sein kann, denn Konkurrenz
belebt bekanntlich das Geschäft. Die Kamera ist wirklich absolut top und der
derzeit einzige Wermutstropfen dürfte sein, das man diese Kamera wohl kaum so
schnell bekommen wird, die Vorbestellungen sollen zahlreich sein und
Wartezeiten von mehreren Monaten sind zu erwarten. Ein Thema war auch bei Fotografen, ob sie nicht auf ein höher auflösendes
Modell warten sollen. Für Sport Fotografen kein Thema, da sind 12 MP schon Overkill. So sind solche Erfahrungsberichte auch als Service an meine Kunden, Leser und Kollegen gedacht, man bekommt hoffentlich den einen oder anderen Tipp, aber gerade im Profibereich, wo schnell einmal 10 000.- € investiert sind, helfen alle Artikel nur als Einstieg, als Appetizer sozusagen. Testen muss jeder selbst, der ernsthaft eine Kamera der 5000.- € Kategorie kaufen möchte. Aber die Nikon D3 sollte sich jeder Nikon Fotograf gut ansehen und ich bin neugierig, ob in Zukunft bei Sportveranstaltungen wieder mehr Nikon Fotografen zu sehen sind.
Christian Handl, 11.11.2007
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