Vergleich Nikon D3 gegen Canon 5D

Unfair !
Natürlich ist es irgendwie unfair eine Semi Profi Kamera die seit über 2 Jahren auf dem Markt ist, gegen das Brandneue Profimodell von Nikon zu vergleichen. Aber eigentlich hat alles ganz anders angefangen, nämlich mit meinem Test der Canon 1Ds Mark III. Mit den Canon Objektiven hatte ich vorher schon so meine Probleme, aber auf dieser höchstauflösenden Kamera wurde das natürlich nicht besser. Also beschloss ich mal zu schauen, was Nikon so zu bieten hat. Gut dass ich meine NPS Mitgliedschaft nie zurückgelegt habe (Naja ein Profi Fotogerät habe ich ja auch immer noch im Einsatz, den Nikon 9000 Scanner). Nach vielen Testbildern, aber auch vielen Fotos draußen im Feld um ein Gefühl für die Kamera zu bekommen, war ich eigentlich schon halb überzeugt, das ein Wechsel so dumm nicht ist. Nach Auswertung von Vergleichsbildern und Gegenüberstellung von Vor und Nachteilen wird es für mich immer schwerer, nicht über einen Umstieg nachzudenken. Warum das so ist, Ich denke, die folgenden Bilder können da einen Hinweis geben. Aber das im Endeffekt das nur wieder ein kleines Stück näher hin zur technischen Perfektion ist, aber nicht zum besseren, aussagekräftigeren Bild ist mir auch klar.

Linker oberer Rand:
Nicht einmal bei Blende 14, wo man auf einer hochauflösenden Digitalkamera schon mit Beugungsunschärfen zu kämpfen hat, schafft das Canon Objektiv die Schärfe, die beim Nikon bei Blende 11 schon sehr gut ist.
Vergleich einer Fixoptik um 2100.- € gegen ein Zoom um ca 1700.- € !

Gleiches Bild aber Ausschnitt aus dem Zentrum bei Blende 11. Kein Unterschied zu bemerken

Die Schärfe des 17-40 ist bei 17 mm auch bei mehr Abblenden unbefriedigend, aber hier nur zu Demonstration das die Nikon Objektive schon bei offener Blende sehr gut sind

linker mittlerer Randbereich
Hier wird es wirklich ärgerlich: Links ein Nikon Amateur Zoom um 500.-€ rechts das Profiobjektiv 100-400 IS um 1400.-€ (nach Service und Kalibrierung !) - das Zentrum des Canon Bildes ist scharf, also keine Verwacklungsunschärfe

Bei den 24-70 Objektiven sind die Unterschiede nicht so deutlich, vor allem abgeblendet nicht, bei offener Blende ist das Nikon aber auch deutlich besser.

Ein Augenscheinlicher Unterschied ist, das die Nikon Objektive schon bei offener Blende hervorragende Schärfentiefe in allen Bildteilen aufweisen, etwas was bei Canon Objektiven einfach nicht stattfindet.
Wenn Freihandaufnahmen nötig sind, z.B. wegen starken Wind (hatte ich in Patagonien) ein massiver Vorteil wenn man ein Objektiv schon bei Blende 5,6 uneingeschränkt verwenden kann.
Vorteile der D3
großer 100% Sucher
Bildschirm um Klassen besser (bei 5D bis auf Histogramm fast unbrauchbar)
Live View
9 B/sec
besser im High Iso Bereich, aber auch 200 Iso ist in den Schatten weniger Rauschen als bei Canon 5D bei 100 Iso (Raw Files in Adobe Bridge verarbeitet)
AF System schneller und vielseitiger (51 AF Punkte)
Doppelter CF Card Slot
5:4 Format im Sucher einblendbar (sehr hilfreich bei Porträts)
Level Indikator nützliche Spielerei
Auto Iso sehr hilfreich
Okularverschluß bei Langzeitbelichtungen
GPS Anbindung
Profigehäuse abgedichtet gegen Staub und Feuchtigkeit
Vorteile 5D:
geringes Gewicht
günstiger Preis
Custom Funktion und verschiedene Motivprogramme für einen schnellen Wechsel von "Stativmodus" auf "Actionmodus" sehr hilfreich
Objektive meist etwas billiger als vergleichbare von Nikon, aber immer wieder Probleme bei Canon Objektiven mit zu großzügigen Fertigungstoleranzen
Objektive:
14-24 deutlich besser in allen Bereichen
24-70 auch besser, wie wohl die Unterschiede nur bei offener Blende groß sind, bei Blende 11 ist auch das Canon Objektiv gut.
Unterschiede bei Tele sehr abhängig vom Objektiv, 70-200/4 L sehr gut, 100-400 IS schlecht
70-180 Zoom Makro für mich ein interessantes Objektiv, leider nichts vergleichbares bei Canon, dafür leider kein 70-200 4 L / IS bei Nikon
Objektivpalette: Größer bei Canon, davon aber viel an digitalem Full Frame nicht sinnvoll, wie z.B. Weitwinkel 17-40, oder 24 TSE
Nikon baut mit den neuen Nikon Objektiven eine neue Profilinie auf, die zukunftssicher ist, da auch für höhere Auflösungen uneingeschränkt geeignet.
Interessant ist, das die Profiobjektive bei Nikon den Zoomring beim Kameragehäuse haben und der Fokusring Vorne ist, bei den Amateurobjektiven von Nikon ist das umgekehrt
Fremdobjektive haben an der Nikon gleiche Drehrichtung, bei Canon entgegengesetzt.
Verschiedenes:
2. Body D300 gegen 40 D auch in einigen Bereichen besser, aber für meine Arbeitsweise nicht so gravierend oder Entscheidend für einen Umstieg.
Blitzsystem bei Nikon angeblich besser (nicht selbst getestet).
Service ist bei uns in Österreich von beiden Firmen, zumindest für Profifotografen sehr gut und zuvorkommend.
Active D Lighting dürfte bei Nikon besser funktionieren, kann man auch in drei Stufen individuell einstellen.
Jpg sind bei Nikon % mehr brauchbar als bei Canon (obwohl ich meist nur Raw fotografiere), aber bei Action Shots mit langen Bildsequenzen ist Jpg manchmal wichtig.
Wenn es schon eine D3 X von Nikon mit 20 MP + gebe, wäre die Überlegung welches System für jemanden wie mich, der viel Architektur, Reisen und Landschaften für Agenturen fotografiert, das Beste ist, eigentlich sofort beantwortet: Derzeit eindeutig Nikon, da die Objektive in den für mich kritischen Weitwinkelbereichen eindeutig besser sind. Bei 12 MP sind die Unterschiede auch schon groß genug, allerdings natürlich im Print weit weniger auffällig, als bei 100 % am Bildschirm.
Derzeit grüble ich noch, ob ich mir die Mehrkosten und den ganzen Ärger, den so ein Umstieg bringt, wirklich antun soll. Das Canon selbst mit seinem neuen 14 mm Objektiv es nicht geschafft hat, gleich gut zu sein wie ein Zoom Objektiv von Nikon ist schon eine herbe Sache. Geht es bei Canon so weiter mit neuen und überteuerten Objektiven, die nicht mit dem Mitbewerber mithalten können, werden vor allem Fotografen abseits der Presse, Mode und Sportfotografie doch zweimal nachdenken, ob sie in diesem System eine Zukunft sehen.
Christian Handl, Februar 2008