Olympus E-510
Small is beautiful - but size does matter
Bei mir und sicher bei vielen anderen Fotografen ist es ein ständiger Kampf (und Krampf) zwischen der Ausrüstung, die man mitnehmen möchte, und die, die man dann aus verschiedenen Limitationen heraus wirklich mitnimmt. Als Profifotograf, der schon in vielen Bereichen, auch bei Sport und Presseveranstaltungen gearbeitet hat, habe ich bei den bezahlten Aufträgen meist nicht all zu viele Probleme mit der Ausrüstung, auch wenn sie noch so schwer ist, da ich diese ja nicht über lange Strecken den Berg hinaufschleppen muss. Wobei beim Schi Weltcup man sehr wohl entweder die Piste von oben mit den Schi abrutscht oder aber wie bei mir bei den Weltcupbewerben am Semmering mit Steigeisen gleich vom Ziel aus losgeht - und das ist dann mit einer Canon Ausrüstung ganz schön schweißtreibend - auch im Winter bei Minusgraden !
Etwas anders schaut die Sache prinzipiell bei Outdoor Aktivitäten aus, die einmal nicht vordergründig nur dem Fotografieren dienen, sondern auch dem Spaß an der Bewegung, da wird eine klassische Canon/Nikon Ausrüstung schnell zum Fluch und verdirbt einem die Freude an so mancher Tour. Einfach deshalb, weil eine Canon 5D gute Objektive braucht und diese sauschwer sind (z.B.. 24-70 L 2,8 mit gut 900g). Andererseits kann einem als leidenschaftlichem Fotograf nichts Schlimmeres passieren, als wenn man eine Schitour auf den Hausberg zum vielleicht 20. Mal macht, die Kamera zu Hause lässt und gerade dann sich die tollsten Fotomöglichkeiten aller Zeiten auftun.
Einfach wie früher eine sehr gute Kompaktkamera wie die analoge Ricoh Gr-1 mitzunehmen, ist im digitalen Zeitalter kaum möglich, so nett die kleinen Schnappschusskameras sind, die Bildqualität ist mir einfach für alles außer Erinnerungsfotos zu schlecht. Obwohl auch ich und meine Frau eine kleine Coolpix 5900 und eine Sanyo Xacti (wegen dem Stereo Ton der HD Videos) verwenden.
Wenn die Bilder aber zumindest die Mindestanforderungen meiner Bildagentur erreichen sollen, führt der Weg an einer digitalen Spiegelreflexkamera nicht vorbei.

Foto: Gabriele Handl
Wenn man sich die Entwicklung der digitalen Technik in zwei anderen Sparten ansieht, bemerkt man schnell, dass die Stärke der digitalen Technik oft nicht primär in einer Qualitätssteigerung liegt, sondern oft viel mehr im Bereich Bedienerfreundlichkeit und Miniaturisierung. Von den klobigen C-Netz-Telefonen auf Berghütten zum all-in-one Musik-Organizer-Kamera-Handy, das zwar eine geringere Reichweite, aber viel mehr nützliche und auch weniger nützliche Funktionen hat. Bei der Musik ist es ähnlich, den von den unhandlichen Kassettenrekordern zu MP3 ist es ein riesiger Schritt hin zu kleiner, leichter und besser. Mp3-Player mit 100 gr. können leicht eine komplette Musiksammlung von mehreren 100 CDs/LPs beinhalten.
Gerade in der Fotografie ist dieser Trend aber jahrelang nicht so umgesetzt worden, offensichtlich haben hier technische Barrieren diese Entwicklung verzögert. Denn wenn auch die Canon 1er Serie bei Digitalkameras neue Maßstäbe in Sachen Geschwindigkeit und Auflösung setzen konnte, so waren und sind diese Kameras oft schwerer als so manche analoge Mittelformatausrüstung.
So war ich mit der Einführung des 4/3 Systems eigentlich einmal schwer enttäuscht, als die sogenannte Profikamera E-1 bei weitem nicht die Leistungsdaten aufweisen konnte, die ich für meine Arbeit gebraucht hätte. Die weiteren Kameras haben mich auch nicht gerade vom Hocker gehaut, obwohl die Idee des Live View, vor allem mit ausklappbaren Bildschirm, eine wirklich gute Sache war, die ich bei vielen Makro oder Architekturaufnahmen gerne an meiner Canon 5 D gehabt hätte.
Erst jetzt mit der Einführung der E-510 habe ich mir dieses System wieder angesehen, diesmal aber realistischerweise nicht als Ersatz für meine Canon-Ausrüstung, sondern um, wie schon erwähnt, bei Schitouren, Wanderungen oder Festen von Freunden eine gute, aber vor allem möglichst leichte Ausrüstung dabeizuhaben.
Ich habe durchaus andere Optionen durchgespielt, wie etwa eine Nikon D80 plus 18-200 VR oder aber eine Canon 400d samt leichtem Setobjektiv, die ich kurz besessen habe, aber aus mir nicht ganz erklärlichen Gründen ging mir diese Kamera fürchterlich auf die Nerven.
Was vor allem dann für Olympus den Ausschlag gegeben hat, war nicht nur, dass die Kamera samt Setobjektiven am leichtesten ist, sondern dass diese Setobjektive eine gute Bildqualität ermöglichen, was mir bei den leichten Canon Objektiven abgeht.
Dass die Kamera mit ihrer Top-Ausstattung und dem attraktiven Preis noch zusätzlich glänzt, war ein willkommener Bonus.

Ein Bild mit tiefem Standpunkt, wo der Live View sehr hilfreich war
Nun aber zu meinen Beobachtungen:
Ergonomisch finde ich die Kamera sehr gelungen, ich habe zugegeben eher kleine Hände, Männer mit großen Pratzen tun sich wahrscheinlich etwas schwerer mit so einer zierlichen Kamera. Die Menüs sind logisch angeordnet und die Direkttasten sehr hilfreich. Einige Funktionen, wie die Spiegelvorauslösung sind im Menü vergraben, da hilft nur mit der "My Mode" Funktion die Funktion 1 mit Selbstauslöser 1-2 sec und Spiegelvorauslösung zu belegen (unsere Einstellung für Stativaufnahmen), die Fn Taste auf My mode zu stellen, dann fotografiert man, solange man die Fn Taste gedrückt hält im My mode 2, der bei uns der Raw Modus Freihand ist, also ohne Spiegelvorauslösung.
Natürlich kann man auch von unserem "Stativmodus" schnell auf eines der vielen Motivprogramme umschalten, die haben aber alle als Bildqualität Jpg, was wir nur bei schnellen Sequenzen akzeptieren, wobei für Sport und Action die Kamera ja nicht unbedingt gedacht ist.
Der Sucher ist natürlich die Achillesferse dieser Kamera, er ist klein und mit einer Canon 5D, aber auch Nikon D80 kann er nicht mithalten. Trotzdem kommen wir beide damit gut zurecht. Bei den schwierigen Motiven, wie Makros, hilft der Live View enorm, nur schade, dass der Bildschirm fix eingebaut ist, ausklappbar wird es ihn nur bei der E-3 geben. Trotzdem ermöglicht der Live View bei der 510 interessante Blickwinkel, die mit herkömmlichen Kameras nur schwer zu realisieren sind.
Die Kit-Objektive haben nur ein Plastikbajonett, sind aber trotzdem in ihrer Wirkung nicht "billig". Vergleichsaufnahmen haben einen sehr guten Gesamteindruck hinterlassen. Wenn ich die Aufnahmen der 5D mit 24-70 L auf 4:3 zuschneide haben die Olympus Objektive in den Ecken schon bei leichter Abblendung eine bessere Schärfe! Gesamt ist das Bild von der 5D aber besser aufgelöst. Wenn es nicht so wäre, müsste ich mit Canon aber auch ein ernstes Wort reden. Wo die 510 auch gegen die 5 D verliert, ist beim Dynamikumfang. Die Schattenzeichnung ist bei der 5D bei kontrastreichen Szenen besser und es lässt sich aus den Canon Files im Schattenbereich mehr herausholen, bevor unakzeptable Körnung/Rauschen auftritt. Hier kann ein Vollformatsensor seine Stärken ausspielen. Bei nicht so extremem Kontrast ist die Bildqualität der 510 aber wirklich ohne Tadel. Wobei das meiner Meinung aber nur für RAW Files gilt, die ich in ACR verarbeite, da nach einigen Versuchen dieser Konverter die besten Ergebnisse geliefert hat. Die JPGs haben eine sichtbare Körnung auch bei gleichmäßigen Farbeflächen (Himmel) von 100 ISO an aufwärts und der Dynamikumfang ist auch noch ein wenig schlechter.
Der Staubschutz scheint gut zu funktionieren, wobei man nicht so naiv sein sollte, zu glauben, dass gar nichts passieren kann, denn klebriger Staub (Pollen,...) kann sich auch hier festkleben und eine Handreinigung nötig machen. Mit der nötigen Vorsicht beim Objektivwechsel ist diese Risiko aber gering (Kamera beim Objektivwechsel mit Anschluss nach unten halten).
Der Bildstabilisator funktioniert gut, auch hier sind die Werbeversprechungen bei allen Firmen und so auch von Olympus aber überzogen, da oft suggeriert wird, dass ein Stativ überflüssig wird. Zeiten von 1/8 sec bis 1/60 sec zeigen mit Bildstabilisator eine deutliche Schärfesteigerung, bei kürzeren Zeiten ist die Wirkung dann kaum mehr zu merken. Das heißt, eine 1/125 sec + Bildstabi ist nicht so scharf wie 1/500 sec. Und wenn auch die Bilder schärfer werden, scharf sind sie deswegen noch lange nicht. Hier muss man unterscheiden: Schnappschüsse für den Heimgebrauch werden so weit besser, wer wie ich Bilder auch von Bergtouren an Magazine oder Bildagenturen verkauft, sollte bei Zeiten unter 1/250 sec ein Stativ verwenden. Das hat aber nichts mit Olympus zu tun, das gilt für alle Kameras ziemlich gleich.
Die Einschaltzeit ist bemerkbar, da zu Beginn der Staubschutz arbeitet, das stört mich aber nicht. Speichergeschwindigkeit auf CF Karte ist gut, bei Action ist es sicher besser auf JPG umzuschalten, ansonsten ist auch das Arbeiten mit Raw kein Problem. Interessant fand ich, dass meine Transcend Karten mit der 510 besser funktionieren. Im SHQ Modus gab es 13 Bilder bei 3B/sec, mit meinen Sandisk Extreme II nur 10 in Serie. Bei meiner Canon 5D sind die Sandisk deutlich schneller. Es lohnt sich also, vor dem Kauf von CF Karten ein bisschen herumzuprobieren, wenn man auf Geschwindigkeit Wert legt. Files sind (scheinbar verlustfrei?) komprimiert, auf eine 4 GB CF Karte gehen ca. 330 Raw + HQ-JPG drauf.
Der Vorteil einer so leichten Ausrüstung liegt nicht nur darin, dass man
sie
lieber und öfter mitnimmt, sondern dass bei 900 gr. für Kamera inkl. beide
Kitoptiken es auch möglich ist, die Kamera außen am Hüftgurt eines
Bergrucksacks zu befestigen (dazu verwende ich eine kleine Lowe Kameratasche). So
leicht 900 gr. klingen, durch die ungleiche Gewichtsverteilung sind auch 900gr
auf Dauer am Schultergurt bemerkbar, bereiten mir aber keine Probleme. Der Sinn
liegt natürlich darin, dass man viel spontaner mal ein Foto zwischendurch machen
kann, gerade bei Schitouren ist das sehr angenehm, wenn man nicht dauernd den
Rucksack rauf und runter wuchten muss.
Dass die Kamera bis 400 ISO sehr gut zu gebrauchen ist, hat mich positiv
überrascht, wer Hochzeiten fotografieren möchte, ist bei Olympus aber falsch,
im High-ISO-Bereich sind Nikon und Canon unschlagbar. Der eingebaute Blitz ist
nützlich, aber klappt nicht hoch genug aus, sodass rote Augen oft vorkommen
können. Auch muss man die Sonnenblende vom Objektiv abnehmen um bei 14 mm
keinen Schatten im Bild zu haben.
Die Anzeige auf dem Bildschirm ist auch bei Sonne noch zu entziffern, könnte
besser sein, aber immerhin brauchbar, was ich von meiner Canon 5D nicht sagen
kann, bei Sonne sehe ich gar nichts mehr auf dem Bildschirm.
Autofokus ist langsam, scheint aber wenigstens meist recht genau zu sein, manuell Scharfstellen geht nur im Live View Modus dank der 10x Vergrößerung wirklich exakt, der Sucher ist einfach zu klein für eine exakte manuelle Scharfstellung.
Fazit: Eine gute Kamera mit vielen nützlichen Funktionen, die ich dank der leichten Setoptiken auch gerne auf längere Bergtouren mitnehme. Bei Auflösung und vor allem Dynamikumfang ist sie jedoch merkbar schlechter als meine Canon 5D. Zugegeben ein etwas unfairer Vergleich, denn das Olympus Set kostet ca. 800.- €, während mein Canon Set so bei 5500,- € Neupreis liegt. Also bezüglich Preis/Leistung ein wirklich gutes Set.
Christian Handl, Oktober 2007