Der Preis der D3X

 

 

Noch immer jammern viele ob des Preises der Nikon D3X. Und auch ich habe meine Vorbestellung bei Bekannt werden des Listenpreises von 6990.- € (inkl.Ust.) storniert. Einfach aus dem Grund, da am 20.12.2008, wo ich die Kamera bekommen hätte, noch kein Kameratest, Geschweige denn ein Testmodell, vorhanden war. Und quasi die „Katze im Sack“ zu kaufen, dazu war mir der Preis dann doch zu hoch. Also habe ich gewartet, bis ich eine Leihkamera von Nikon Wien bekommen habe und habe diese ausgiebig getestet, wobei ich hier das Augenmerk auf die Bildqualität der D3X legen konnte, die Bedienung ist mir durch meine D3 ja schon mehr als vertraut.

 

Danach habe ich einmal eine kurze Rechnung angestellt:

 

Entweder gehe ich zurück zu Canon, den Schwenk habe ich aber von Canon zu Nikon gemacht, weil mir unter anderem die Optiken bei Canon, vor allem im Weitwinkelbereich, einfach zu schlecht waren. Denn selbst das teure Canon 14 mm LII konnte nicht mit dem Nikon 14-24 Zoom mithalten, und das ist mit Abstand das beste Canon Weitwinkel. Die Canon 5D war mir lange ein treuer Begleiter auf Reisen, aber der Sucher war mir persönlich nie gut genug für einen langen Arbeitstag und auch sonst ist diese Kamera ja kein Profimodell, was beim AF, oder bei der Robustheit zu bemerken ist. Aber auch der Nachfolger, die 5D Mark II, hat ähnliche Probleme, obwohl man für den günstigen Preis wirklich nichts sagen darf. Sony hat eine sehr ambitionierte Kamera mit der Alpha 900, aber leider im Objektivbereich einige Dinge nicht, die ich für meine Arbeit brauche und schätze (Shift/Tilt Objektive z.B. Beispiel).

 

Rock Arch, Namibia, Nikon D3, 14-24 mm Zoom bei 14 mm, Bl 4, 30 sec

 

Und ein Systemtausch ist sehr zeitaufwendig (Ware über ebay oder Händler verkaufen) und natürlich auch finanziell nicht optimal. Außerdem schätze ich viele meiner manuellen Nikkor Objektive sehr und mag die nicht aufgeben. Gehofft habe ich auf einen Preis für die D3X so um die 5500.- €, bezahlt habe ich dann letztendlich 6700.- € inkl. Ust. Als Profifotograf darf ich natürlich die Umsatzsteuer Gegenrechnen, bleiben 5583.-€ über. Die Kamera wird natürlich als Firmengerät über 4 Jahre abgeschrieben, verringert also mein Einkommen und spart mir so ca. 35 % Einkommenssteuer, natürlich nur dann, wenn ich in den nächsten Jahren auch gut verdiene. Bleiben also so ungefähr 3730.- € über, die auf jeden Fall zu zahlen sind. Das ist aber gar nicht das Interessante, sondern wenn man diese Rechnung überschlagsmäßig auf die Differenz zwischen zu erwartenden Preis und tatsächlichen Preis anwendet, also so ca. 1200.-€, was über bleibt sind ca. 670.-€ Mehrpreis. Und jetzt ist vielleicht dem Einen oder Anderen klar, warum Profis ob dieses hohen Preises der D3X zwar nicht glücklich sind, aber meist nur mit der Schulter zucken und die Kamera trotzdem kaufen. Denn für jene die mit Fotos Geld verdienen und eine solche Auflösung auch brauchen, ist es einfach eine mögliche und sinnvolle Investition. Und wie gesagt, ein Systemwechsel kommt unter dem Strich kaum billiger, wenn man Verluste beim Kauf oder auch die damit verbundene Arbeitszeit rechnet.

Was in Wirklichkeit vielen Nikon Fotografen weh tut ist der Umstand, das es noch keine D700x gibt, also der kleine Bruder zur D3X, aber jeder Nikon Fotograf sollte mittlerweile wissen, das Nikon immer ein wenig länger braucht als die Konkurrenz, dann aber meist ein sehr ausgereiftes Produkt auf den Markt bringt.

 

So gesehen finde ich Boykott Aufrufe wie von Ken Rockwell doch etwas kindisch, aber die Seite hat neben einigen guten Artikeln und Ideen auch immer wieder viel unfreiwilligen Humor zu bieten.

 

Wie ein Fotograf richtig bemerkt hat: „If you cant afford it, you dont need it“.

 

 

Aber es gibt mittlerweile so viele gute Kameras um billiges Geld, das wirklich jeder Fotograf eine zu seiner Brieftasche passende Ausrüstung zusammenstellen kann. 

 

Christian Handl, März 2009

 

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