Sigma SD-14  Erfahrungsbericht

 

Das Digitalstore in Wien war so freundlich, mir die Kamera für ein Stündchen zu leihen, sodass ich einige Vergleichsbilder mit meiner Canon 5 D machen konnte.

Das ich mir überhaupt eine Sigma zum Testen hergenommen habe, nach doch eher schlechten Erfahrungen mit einigen Optiken (allerdings vor gut 10 Jahren), lag auch an jenem Beitrag, der sehr fundiert Vor und Nachteile dieser Kamera behandelt:

http://www.ddisoftware.com/sd14-5d/

Da ich gerade von einigen Bildern meiner letzten Reise recht frustriert war:

http://www.christianhandl.com/Unterebene1/smearing.htm

wollte ich doch über den Tellerrand schauen. Was ich wie wohl viele andere Fotografen suche, ist eine "ideale " digitale Landschaftskamera. Die Canon 5D ist fantastisch wenn es um Fotojobs bei Hochzeiten, Aufnahmen für Kommunionen und Reportagen geht, also bei Veranstaltungen wo ein Blitz stört und wenig Licht vorhanden ist.

Der groß beworbene Vorteil der 5D, der Full frame Sensor macht eben diese tolle Performance im hohen Iso Bereich möglich. Leider merkt man immer wieder, das Canon Kameras eher auf Reportage zugeschnitten sind. Da ist es den Fotografen egal, ob es am Rand Vignettierungen oder Unschärfen gibt, bei Architektur und Landschaft wird es dann aber doch sehr schnell sehr störend. Auf Grund der Beugung ist zu starkes Abblenden auch keine Lösung, über Blende 11 sollte Schluss sein, will man seinen 12 MP Sensor auch in diesem hohen Auflösungsbereich halten. 

So gesehen wäre eine Kamera wie die Sigma SD-14 mit einem Crop Faktor von 1,7 gar nicht nur schlecht, da ja vor allem die Weitwinkel Tauglichkeit besser sein könnte. Da man aber dann wieder spezielle Objektive braucht um wirklich Weitwinkel zu erreichen und diese Objektive meist einen kleineren Bildkreis haben, kommt es oft unterm Strich oft aufs Selbe raus. Sprich ein Verzeichnungsfreies und bis in die Ecken scharfes Weitwinkel ist auf jeder Kamera kaum zu realisieren.

Meist stellt sich immer die Frage zuerst nach der Auflösung einer Kamera. Ich weiß auch das man mit jeder Kamera gute Aufnahmen machen kann, ein gutes Bild ist ein gutes Bild, egal wie aufgenommen. Wenn man wie ich aber Bildagenturen beliefert, einen Hang zu Großvergrößerungen hat und auch manchmal Pixelpeeping betreibt, ist der Gedanke mit einer Kamera durch die Gegend zu laufen, die nicht Top Ergebnisse liefert, zumindest etwas demotivierend.

Da ich weder die Zeit, noch die technischen Möglichkeiten für einen ausführlichen Test habe, komme ich mal schnell auf den Punkt: Die Kamera erreicht im Raw Modus eine erstaunlich gute Qualität. Die 14 MP sind natürlich Werbequatsch, wenn auch ein legaler, die Kamera wird eher im Bereich von 8-10 MP mit Kameras mit Bayer Sensoren vergleichbar sein. Wenn ich mir dann Preis und Leistung von einer Pentax K10 ansehe, finde ich halt leider kaum ein Argument für die SD-14, was wirklich zwingend wäre.  Die Farbdarstellung kann bei einem kurzen Test kaum ernsthaft verglichen werden, der Raw Konverter arbeitet jedenfalls mit recht hoher Sättigung, die Farben kommen schön leuchtend. Allerdings ist bei Canon mit dem DXO Raw Converter auch möglich, aus den Files sehr viel herauszuholen, sodass ich hier speziell keinen großen Vorteil erkennen konnte. Die Bedienung der SD-14 fand ich Ok, konnte schnell damit arbeiten, ohne das Manual zu brauchen. Die Kamera ist allerdings gerade mal schnell genug, bei Landschaften kein Problem, sobald ein wenig Action dazukommt, ist es aber vorbei, da ist zb eine Nikon D200 viel universeller einsetzbar.

 


Canon 5D, 1/400s, f 7,1, 200 ISO, 163 mm 70-200/4 L Zoom

 

Schöne Bilder kann man natürlich mit der SD-14 machen, nur geht das auch mit anderen Kameras um weniger Geld gleich gut. Außerdem ist man, was Weiterentwicklungen betrifft, doch im Sigma System ziemlich eingeschränkt. 

Der Foveon Sensor zeigt aber deutlich sein Potential. Vor allem folgendes Problem könnte mit dieser Technik besser gelöst werden: Je mehr Pixel in einen Sensor hineingepfercht werden, desto schwieriger wird es Objektive zu bauen, die noch die nötige Auflösung bringen. Außerdem nimmt in der digitalen Fotografie das Problem der Beugung mit der Anzahl der Pixel zu (und mit dem Sensorformat ab - je größer der Sensor, desto größer die theoretisch brauchbare kleinste Blende)

http://www.cambridgeincolour.com/tutorials/diffraction-photography.htm

Deswegen könnte ein Foveon Sensor auf bestehenden Systemen mit den vorhandenen Objektiven noch einiges an Potential ausreizen, während Bayer Sensoren wie bei Canon langsam an die MP Grenze gelangen. Ob die neue 1Ds Mark III letztlich 20 oder 26 MP hat ist eigentlich irrelevant, die Weitwinkelobjektive zeichnen jetzt schon an der 5D nicht mehr scharf (außer vielleicht bei Blende 11). Ein von der Auflösung vergleichbarer Foveon Sensor würde da aber noch gut mit den Objektiven zusammenarbeiten (ca 10-12 MP x3 wären wohl vergleichbar , also größere Pixel).

Ob aber wirklich ein Foveon Sensor in naher Zukunft in ein professionelles Gehäuse eines bekannten Herstellers eingebaut wird, ist nur durch den Blick in die Kristallkugel zu beantworten, meine Kugel ist bei diesen Fragen leider immer dunkel geblieben.

Und so suche ich weiter nach der idealen Outdoor Kamera und muss wohl eingestehen, dass ich mit der Canon 5D nicht die schlechteste Wahl getroffen habe und schlechte Bilder wohl doch auch auf Eigenfehler zurückzuführen sind. Eine neue Kamera macht ja noch keinen neuen (besseren) Fotografen.

 

Mein Tip für die derzeit beste Outdoor Kamera ist übrigens:  Nikon D2xs oder ab November 2007 Nikon D3.

Wen die Sigma SD-14 trotzdem interessiert, es gibt nur eine Möglichkeit herauszufinden, ob Sie das richtige Werkzeug für Einen ist: selbst testen.

 

Christian Handl,  Juli 2007