Kontrastbeherrschung und digitaler Verlauffilter

 

Als freier Pressefotograf  mit einem derzeitigen Schwerpunkt bei Stadtporträts komme ich oft in die unangenehme Zwickmühle, möglichst schnell und kostengünstig Aufnahmen von hoher Qualität anfertigen zu müssen. Oft paßt dann das Wetter nicht oder ich treffe auf schwierige Aufnahmesituationen, die ich mit den vorhandenen Mitteln meistern muß. Vor allem durch die Digitalfotografie konnte ich mir einige Techniken aneignen, die auch in der Naturfotografie von Interesse sein könnten, da diese, so paradox es klingen mag, durch Manipulation des Fotos einen dem menschlichen Auge angepaßten Bildeindruck vermitteln können.

Beginnen möchte ich mit der digitalen Kontrastbeherrschung, die im Gegensatz zum Diafilm mit seinen ca. 3 Blenden Belichtungsspielraum Werte annähernd an das menschliche Auge erreichen kann, nämlich bis zu 8 Blenden !

Diese Technik funktioniert nur mit deckungsgleichen Aufnahmen. Daher muß man die Digitalkamera auf einem Stativ befestigen und zwei Aufnahmen mit je einer Belichtung auf den hellsten und dunkelsten Teil des Bildes machen. Wobei es ratsam ist eine Belichtungsreihe aus 4 Aufnahmen mit je 1-2 Blenden Unterschied zu machen, um danach die beste Kombination auswählen zu können. Zwei dieser Aufnahmen werden in Photoshop geöffnet. Das unterbelichtete Bild (Ebene „Dunkel“) mit >Strg A< markieren, mit >Strg C< kopieren, das überbelichtete Bild anklicken und mit >Strg V< das unterbelichtete Bild in das hellere hineninkopieren (wird in Photoshop automatisch als zweite deckungsgleiche Ebene abgelegt). Für Kontrolle der Deckungsgleichheit Ebene „Dunkel“ Transparenz ca 50 %, Bildschirmansicht ca 300 % einstellen, mit dem Verschiebewerkzeug (pixelgenau über die Pfeiltasten) die Ebene wenn nötig korrigieren. Zu Ebene „Dunkel“ nun eine Maske hinzufügen, diese markieren und mit Hilfe eines Malwerkzeuges (Airbrush) und Einstellung des „Drucks“ =( Schwärzungsgrades) und Variation der Spitzenformen Teile der Ebene „Dunkel“ verbergen. Fehler lassen sich durch die „Widerrufen“ Funktion ohne Materialverlust schnell beheben, man kann mit verschiedenen Einstellungen experimentieren und erst wenn der Bildeindruck paßt, reduziert man die Ebenen auf eine Hintergrundebene und speichert das Endergebnis unter neuem Namen ab. Ausgangsdateien immer unverändert lassen !

Bei harten Übergängen kann dies schon eine sehr diffizile Arbeit werden um einen natürlich wirkenden Eindruck zu erhalten. Schneller, weil automatisch, geht dies mit der Photoshop Aktion „DRI“ = Dynamic Range Increase, die der amerikanische Fotograf Fred Miranda auf seiner Website (www.fredmiranda.com) anbietet.

Wenn man mit analogen Fotos / Dias arbeiten will, hat man einige Mehrarbeit, zuerst muß man die Aufnahmen einscannen, da aber zwei Scans nie pixelgenau sind, muß man hier unbedingt eine Einstellung der Deckungsgleichheit vornehmen. Klare Kanten, oder zB. eine Tafel mit Schrift erleichtern diese Prozedur. Leider ist es oft so, daß die Scans auch noch einen Winkelversatz haben können, was weitere Tüfteleien nötig macht. Was bei Digitalbildern innerhalb von Sekunden funktioniert, ist zwar bei analogen Bildern möglich, aber oft recht zeitaufwendig. Wenn es nur um ein Abdunkeln des Himmels geht, ist es etwas einfacher, da eine pixelgenaue Deckung nicht immer nötig ist. Womit wir bei der zweiten Anwendung wären, dem digitalen Verlauffilter. Dieser ist eigentlich auch eine Form der Kontrastbeherrschung, auch hier werden zwei Fotos („Hell“ – „Dunkel“) zusammenmontiert und über Maskierungstechnik zu einer Einheit gebracht. Da aber harte Übergänge in den Himmel eigenartig wirken können, blendet man bei einem Landschaftsbild zuerst den Vordergrund mit dem Malwerkzeug grob aus und legt in den Übergangsbereich dann mit Hilfe des Verlaufwerkzeuges einen von Schwarz nach Transparent (Weiß) führenden Verlauf, der nun beliebig in seiner Stärke, aber auch Ausdehnung gestaltet werden kann.

Dies ist ja der Hauptvorteil der digitalen Nachbearbeitung: Ich muß mir zwar sehr wohl bei der Aufnahme überlegen, was ich erreichen will, kann aber im Photoshop viele Parameter, wie z.B. die Verlaufslänge, die Stärke und natürlich auch die Farbe verändern. Allerdings hat jede Technik ihre Grenzen, vor allem bei abrupten Übergängen zwischen Hell und Dunkel ist meist viel Feinarbeit an der Maske notwendig. Und aus einem an sich unbrauchbaren Motiv wird auch mit der digitalen Technik sicher kein Wettbewerbsfoto.